Die Kirche der Boristi

von Ingo Tschinke (und Peter Metcalfe)

Der Westen von Genertela wird beherrscht von der Religion des Unsichtbaren Gottes und dessen Propheten Malkion. Alle Anh├Ąnger der verschiedensten Sekten und Abarten dieser Religion nennen sich selbst Malkioni. Die Kirchen der Rokari (in Seschnela und Ralios) und die der Hrestoli (in Loskalm und an der Burgenk├╝ste) sind die M├Ąchtigsten unter diesen Sekten. Aber gerade in Ralios existieren noch viele kleine Sekten und Ketzereien (wie sie von anderen betrachtet werden), die eine sehr wechselvolle Geschichte und Entwicklung aufweisen k├Ânnen. Ralios war in den vergangenen Zeitepochen stets eine Region, die den verschiedensten Str├Âmungen der Religionen ausgesetzt war. Im ersten Zeitalter war dies der Einfluss des Goldenen Imperiums des Nysalor, welcher durch den Helden Arkat zerst├Ârt wurde, der danach sein eigenes Dunkles Imperium in Ralios gr├╝ndete; im zweiten Zeitalter - dem Zeitalter der Imperien - war dies der Einfluss der Gottlerner und im dritten Zeitalter die verschiedenen Eroberungsversuche Seschnelas und die Kreuzz├╝ge der Rokari-Kirche, die zur Vernichtung der Ketzer von Ralios f├╝hren sollte. Eine dieser Sekten in Ralios sind die Boristi; sie ist die meist gehasste und mysteri├Âseste aller Religionen von Ralios. Dieser Artikel soll etwas mehr Klarheit ├╝ber die Anh├Ąnger dieser Kirche bringen, die man in Ralios als Squids (Tintenfische) bezeichnet, da sie sich das Chaos zu eigen machen.

Ich beginne die Darstellung des Westens Gloranthas mit den Boristi, obgleich diese unter den Religionen des Westens wahre Exoten sind, allerdings eignen sie sich sehr gut f├╝r den Einsatz in den verschiedensten Abenteuern in Ralios, da sie zumeist sehr unstrukturiert sind und keine Zentralautorit├Ąt besitzen. Es werden aber auch noch andere Beschreibungen folgen.
Wie bei vielen Anh├Ąngern einzelner Religionen des Westens haben auch die Boristi selbstverst├Ąndlich in Bezug auf ihre Religion eine ganz andere Sicht der Dinge, als die derjenigen, die diese Kirche als Ketzerei betrachten oder sie sogar der Realit├Ąt entspricht. Es folgt nun die Darstellung der Kirche, wie sie z.B. einem neuen Anh├Ąnger der Kirche von St. Borist dargestellt wird:

Geschichte der Kirche der Boristi
Die Heilige Kirche von Borist wurde w├Ąhrend der Gbaji-Kriege von dem heiligen M├Ânch Quantan van deen Borist gegr├╝ndet. Er erkannte, dass die Agenten des Teufels, man nennt ihn auch Gbaji, versuchten, das Volk von Ralios durch die d├Ąmonischen Irrlehren ihres Meisters zu verf├╝hren. Er stellte sich dem entgegen und gr├╝ndete den Heiligen Ordern der Borist. Einer seiner Streiter war ein Ritter aus dem Westen, namens Arkat. Er war einer der gr├Â├čten Helden dieser Zeit. Er zeigte Quantan van deen Borist die Geheimnisse der Agenten, so dass diese besser vernichtet werden konnten. Dieses Geheimnis nennt man die Erleuchtung. Die Erleuchtung machte es den Streitern gegen das Chaos einfacher, die teuflischen Beweggr├╝nde der D├Ąmonen zu verstehen. Doch die Gefahr war gro├č, selbst den D├Ąmonen anheim zu fallen. Aus diesem Grunde entwickelte Quantan van deen Borist die Zeremonie der Reinigung von allem B├Âsen, so dass einjeder Anh├Ąnger seiner Kirche gefeit sei, gegen die Verf├╝hrungen des Teufels, und er die Erl├Âsung durch die Freude des Herzen erfahren m├Âge. Jeder, der dem Glauben an andere G├Âtter oder falsche Heilige anheim f├Ąllt, wird diese Reinigung nicht empfangen k├Ânnen und wird auf ewig verdammt sein.
Er lehrte uns auch, wie man die Lebensenergie den Kreaturen des Chaos zu entziehen hat, um sie zu vernichten und ihnen das Wenige, was sie an Positivem in sich tragen zu entziehen. So erhielten die Streiter gegen das Chaos Kraft und geistige St├Ąrke, um Gbaji zu vernichten.
Seit dieser Zeit k├Ąmpfen die Streiter gegen das Chaos in ganz Ralios, gegen die Verbreitung der D├Ąmonen Gbajis. ├ťberall ist Chaos, und wer nicht durch die Zeremonie von Borist gereinigt wurde, tr├Ągt das Chaos stets in sich. Arkat war zu der Zeit allerdings abgefallen an die heidnischen Barbaren, um zusammen mit ihnen den Teufel zu zerst├Âren, wie er es Quantan van deen Borist versprochen hatte. Doch er wurde selbst zum D├Ąmon und Verr├Ąter beim Kampf gegen das Chaos. Er kehrte zur├╝ck nach Ralios und errichtete sein d├Ąmonisches Dunkles Imperium. Nur wenige erkannten sein teuflisches Werk, denn er war jetzt ein D├Ąmon Gbajis, des Teufels.
Die heilige Kirche von Borist war gezwungen, sich weit in den Osten von Ralios zur├╝ckzuziehen, von wo aus ihr Orden weiter gegen das Chaos zog. Stets versuchten die Agenten des Chaos die Boristi zu vernichten, doch sie behielten ihre Geheimnisse immer f├╝r sich und lie├čen sich nie fehlleiten, denn sie wussten um die d├Ąmonischen Schliche des Teufels. Denn wir wissen, dass der Teufel noch immer lebt. Deswegen sind wir stets auf der Wacht, denn eines Tages wird er zur├╝ckkehren und versuchen, bittere Rache an seinen ├Ąrgsten Feinden, den Boristi, zu nehmen.

Als die Gottlerner nach Ralios kamen, erkannten die Boristi, dass sie zusammen mit diesen Zauberern das d├Ąmonische Dunkle Imperium vernichten konnten. So schlossen sie ein B├╝ndnis mit den Gottlernern. Sie halfen ihnen dabei, die heidnischen Orlanthis zu vernichten. Doch auch die Gottlerner fielen durch ihre Gier nach Wissen dem Teufel anheim. Sie drangen in die Geheimnisse der Boristi ein, um diese zu vernichten. Doch wir erkannten den Betrug der d├Ąmonischen Gottlerner und schlossen unseren Ring fester. So gr├╝ndeten wir das Geheime Register der Boristi, und nur ein Mitglied dieses Registers hat Zugang zu den Inneren Geheimnissen der heiligen Kirche der Boristi. Dieses Geheime Register lehrte die Gottlerner das F├╝rchten. Da die Gottlerner allerdings feige Zauberer waren, die die offene Feldschlacht mieden, schickte die heilige Kirche der Boristi ihre Streiter im geheimen zu ihnen, um sie im Schatten zu t├Âten. So wurde der Orden der Assasinen Borist gegr├╝ndet.
Bis zum heutigen Tage sind die Boristi auf der Wacht vor der R├╝ckkehr Gbajis und seinen D├Ąmonen.

Theologie
Es gibt nur einen Gott, und das ist der Unsichtbare Gott und Malkion und Hrestol sind seine Propheten. Es gibt keine G├Âtter neben ihnen.
Der Teufel ist stets um uns in allen Wesen auf der Welt. Nur diejenigen, die sich der Zeremonie der Reinigung (siehe unten) durch die Priester Borist unterziehen, sind frei vom Chaos. Ihnen sind die S├╝nden vergeben und sie werden die Freude des Herzens erhalten.

Es ist das heilige Ziel unserer Kirche, das Chaos des Teufels zu vernichten. Daf├╝r haben wir mehrere Mittel:
- der heilige Orden der Ritter von Borist: Sie sind die offenen Streiter beim Kampf gegen das Chaos. Sie kennen weder Furcht noch Verwirrung durch das Chaos. Sie verteidigen unsere Kirche gegen alle Ungl├Ąubigen unter den Malkioni.
- der heilige Orden der Assasinen von Borist: Sie k├Ąmpfen im Verborgenen gegen die versteckten D├Ąmonen, die unerkannt unter den Menschen leben. Sie vernichten alle Feinde der heiligen Kirche von Borist.
- die heiligen Priester von Borist: Sie reinigen das Volk von S├╝nden und den Einfl├╝ssen des Teufels. Sie entziehen dem Chaos die Lebenskraft. Sie werfen die S├╝nden des Volkes auf den Teufel und seine Kreaturen, auf dass das Volk frei von S├╝nden sei.

Wir folgen dem Gesetz Malkions, denn wir zerst├Âren nicht das was wir lieben, sondern unsere Feinde. Deswegen ist das Stehlen von Eigenschaften ein legitimes Mittel, um dem Chaos Kreaturen die Lebenskraft zu entziehen. So k├Ânnen die Priester diese Energie beim Kampf gegen das Chaos und den Teufel, sowie alle Feinde der heiligen Kirche von Borist einsetzen.
Wir glauben an die vier Kasten: Bauer, Ritter, Priester und Herr. Jeder ist in seine Kaste geboren, und es ist wider des Willen Malkions, diese Kaste zu wechseln. Nur heilige M├Ąnner k├Ânnen dies.
Der Feind des Unsichtbaren Gottes ist der Teufel, auch Gbaji, der Betr├╝ger und Tyrann, genannt. Er f├╝hrt ein d├Ąmonisches Herr von verderbten Chaosg├Âttern und D├Ąmonen an. Chaos ist boshaft und k├Ąmpft ununterbrochen, um den Glauben an den Unsichtbaren Gott zu zerst├Âren. Arkat, der Betr├╝ger, ist einer seiner D├Ąmonen und er wird, wie der Teufel, eines Tages zur├╝ckkehren. Wir werden ihn dann vernichten.
Es gibt immer wieder Gl├Ąubige, die sich als zu schwach erweisen, um dem Chaos die Stirn zu bieten und ihm anheim fallen. Sie werden durch das reinigende Feuer von Borist von ihren S├╝nden befreit.
Die Frau ist im Vergleich zum Mann im K├Ârperlichen und Geistigen schwach. Es ist die Verantwortung des Mannes, f├╝r sie zu sorgen und sie zu sch├Ątzen. Frauen d├╝rfen niemals in der Ritter- und Priesterkaste einen Beruf aus├╝ben, da sonst ihre Seele gro├čen Schaden erleiden w├╝rde.

Hierarchie
Der Gro├čmeister der heiligen Kirche von Borist in Borin ist der F├╝hrer unserer Kirche. Er hat die Macht, Gro├čritter und Meisterassasinen der Kirche zu ernennen und sie, wenn sie gegen die Gesetze der Kirche versto├čen und die Geheimnisse der heiligen Kirche verraten, ihres Amtes zu entheben. Die Priester der Kirche sind seine Helfer, die ihm in der Verbreitung des Friedens der Seele zur Seite stehen.

RuneQuest Zauber:
Die Zeremonie der Reinigung
Ber├╝hrung, Passiv, 10 Minuten bis hin zu mehren Tagen
Diese Zeremonie ist einer der ├Ąltesten und wichtigsten Zauber der Boristi. Mit diesem Zauber kann der Priester jedem Anh├Ąnger seine S├╝nden durch eine Art Beichte abnehmen, indem er in einer bestimmten Form seiner Charakteristika des Mana `bestiehlt'. Bei diesem Zauber muss sich der Anh├Ąnger in die H├Ąnde seines Priesters begeben, der ihn ber├╝hren muss. Die Prozedur ist, ├Ąhnlich wie dies vom `Stehlen' bekannt ist, sehr schmerzhaft, allerdings nimmt ├╝ber die Jahre das Schmerzempfinden ab, da sich die Anh├Ąnger der Boristi sowieso mindestens einmal j├Ąhrlich diesem Zauber unterziehen, damit sich das Chaos ihrer S├╝nden nicht in ihnen akkumuliert. Dies ist anders f├╝r Au├čenseiter (z.B. Opfer der Chaos-M├Ânche oder bei der Initiierung in die Kirche der Boristi-Kirche), da bei denen die Wurzel des inneren Chaos der S├╝nden viel tiefer sitzt und erst der Widerstand ├╝berwunden werden muss. Au├čerdem t├Âten die Chaos-M├Ânche ihre Opfer noch, damit diese nicht wieder `r├╝ckf├Ąllig' werden.
S├╝nden werden in Bezug auf diesen Zauber in Einheiten berechnet. So erwirbt ein normaler Bauer der Boristi-Kirche in einem Jahr eine Einheit S├╝nden; ein Soldat ca. 2 - 3 Einheiten, w├Ąhrenddessen ein Bruu bis zu 10 bis 20 Einheiten ansammelt. Ein s├╝ndiger Malkioni kann somit ca. 1 - 3 Einheiten pro Jahr ansammeln. Sollte man sich besonderer chaotischer Schandtaten schuldig machen, wie z.B. das Erlernen von chaotischer g├Âttlicher Zauber, dem Beitritt zu einem Chaoskult oder extrem destruktive Taten, wird f├╝r einen besonderen Anstieg dieser Einheiten gesorgt.
Diese Einheiten bewirken normalerweise nicht Schlimmes. Es ist eher wie eine Aura, die dieser S├╝nder um sich tr├Ągt. Nur unter ganz besonderen Umst├Ąnden kann es dazu kommen, dass diese Aura erweckt wird, und der S├╝nder ein Chaotisches Mal erh├Ąlt. Darin liegt auch die Gefahr f├╝r: die Boristi, denn sie akkumulieren in sich die S├╝nden all ihrer Sch├Ąfchen und nehmen in sich sehr viel mehr Einheiten auf, als sie ein normaler Mensch ertr├Ągt. Reinigen sie z.B. pro Jahr 100 Bauern, haben sie ein Einheitenpotential wie 5 Bruus, was sie stark der Gefahr aussetzt selber chaotisch zu werden. Daher verwenden sie Chaosmonster, denen sie diese S├╝ndeneinheiten weitergeben. Sie erschaffen kleinere Chaosmonster ganz leicht dadurch indem sie ihren Vertrauten mit diesen Einheiten ├╝berziehen, fr├╝her oder sp├Ąter wird aus dem Affen, Vogel oder was auch immer ein Chaosmonster.
Bei der Zeremonie verliert jeder `Gereinigte' pro Einheit einen Ausdauerpunkt, einen Magiepunkt und einen Lebenspunkt, was die Prozedur teilweise sehr lange herausz├Âgern kann; wird z.B. ein neuer Anh├Ąnger im Alter von 40 Jahren gereinigt, nimmt ihm dies bis zu 60 Einheiten, d.h. wenn die Zeremonie an einem Tag durchgezogen wird, ist der Anh├Ąnger am Ende des Tages gestorben. Diese Energien nimmt dann allerdings einjeder Boristi Priester in sich auf. Sollte er also eine Chaoskreatur innerhalb von 10 Minuten reinigen, ist diese garantiert hin├╝ber. Und gerade das w├Ąre das Ziel der Boristi.
(dieser Zauber wurde entwickelt von Peter Metcalfe, Ingo Tschinke und Sandy Petersen)

Wichtige Heilige

Malkion der Prophet
Malkion brachte das Wort des Unsichtbaren Gottes dem Volke und zeigte ihnen den Weg, wie sie die Gro├če Dunkelheit ├╝berleben konnten. Er lehrte uns seine Gesetze und die Pflichten eines Volkes, sich in vier Kasten aufzuteilen.

Hrestol der Prophet
Hrestol lehrte uns, dass die Brithini in ihrer strengen Interpretation der Gesetze Malkions ein Fehler begehen. Seine Taten und seine h├Âchste Selbstaufopferung zeigen uns, wie wir die Freude des Herzens und damit ewiges Heil erlangen k├Ânnen. Er ist auch daf├╝r bekannt, die Konzepte der Ehre und der Ritterlichkeit gelehrt zu haben.

St. Quantan van deen Borist
Er ist der heilige Gr├╝nder unserer Kirche, dessen Lehren und Gesetze f├╝r unsere Kirche bestimmend sind. Er gab uns die Zeremonie der Reinigung von den S├╝nden und dem Chaos. Er zeigte uns, wie wir dem verderbten Chaos die Lebensenergie entziehen k├Ânnen, um es zu vernichten. Er ist unser leuchtendes Beispiel f├╝r alles, was wir tun.
Gro├čritter der Heiligen Kirche von Borist, der uns in seinem Beispiel zeigte, dass jegliches Chaos nicht der Kampfkraft der Boristi-Ritter zu widerstehen wei├č. Er t├Âtete in den Gbaji-Kriegen die meisten Kreaturen des Teufels und gr├╝ndete das Reich von Borin.
 

Einstellung zu anderen Sekten

Rokari
Diese Kirche hat sich von der Freiheit und dem Frieden der V├Âlker abgekehrt. Sie verleugnen die Existenz der niederen G├Âtter und des Chaosheeres des Teufels. Dadurch sind sie den S├╝nden des Teufels selbst anheim gefallen. Sie versuchen, die Boristi deswegen durch ihre d├Ąmonische Inquisition zu vernichten.

Hrestoli
Die Hrestoli versto├čen gegen das Gesetz Malkions, da sie die Aufhebung der Kasten predigen. Sie zweifeln, genauso wie die Rokari an der Existenz der anderen G├Âtter, was sie blind gegen├╝ber dem Frieden unter den V├Âlkern werden l├Ąsst. Sie werden auch dem Chaos anheimfallen, wenn sie sich nicht zum wahren Glauben bekehren.

Galvosti
Dieser Kirche stehen wir am n├Ąchsten, doch sie scheuen den Kontakt zu uns, da sie den d├Ąmonischen Einfl├╝sterungen des Teufels Glauben schenken, wir seien b├Âse. Es hat aber immer ein Miteinander zwischen der Kirche von Nomia und der heiligen Kirche von Borist gegeben.

Die Henotheistische Kirche von Azilos
Der Graf von Azilos ist der F├╝hrer dieser Kirche. Er behauptet der Erbe Arkats zu sein und damit der Erbe eines D├Ąmons des Teufels! Seine Kirche ist b├Âse und muss vernichtet werden.

Die Henotheistische Kirche von Otkorion
Diese Kirche hat sich die Ketzerei zum Ziel gesetzt, da sie erkl├Ąren, einer der niederen G├Âtter, Orlanth, sei gleich dem Unsichtbaren Gott. Diese Henotheisten sind keine Malkioni und als Anh├Ąnger der niederen G├Âtter anzusehen, denn sie verbreiten ketzerische Irrlehren.

Die Stygische Kirche von Naskorion
Diese Kirche glaubt an Arkat, den Betr├╝ger, als seinen Heiligen. Sie behauptet, dass Arkat nach seiner R├╝ckkehr diese Kirche gegr├╝ndet habe. Sie leugnen, dass Arkat ein D├Ąmon war. Diese Sekte ist des Teufels eigene Brut. Sie darf nicht mehr l├Ąnger existieren.


Die Realit├Ąt stellt sich allerdings ganz und gar nicht so heroisch dar, wie diese Darstellung der Kirche der Boristi, gegen├╝ber ihren niederen Anh├Ąnger darstellt. Viele Priester und Zauberer der Boristi wissen, dass diese Kirche sich in ihren fast 1.500 Jahren ihrer Existenz einem vielfachen Wandel zu unterwerfen hatte, der der Kirche zwar das ├ťberleben sicherte, sie allerdings auch korrumpiert hat. Darum folgt nun eine Darstellung der Kirche der Boristi, wie sie vielleicht von einem Priester, der um die internen Schwierigkeiten dieser Kirche wei├č, zu h├Âren sein wird:
Die Kirche der Boristi ist eine der ├Ąltesten von ganz Ralios. Wir haben uns stets allen Anfeindungen unserer Gegner widersetzt, auch wenn es dazu n├Âtig war, mit dem geheimen Register der Boristi in den Untergrund zu gehen. Dies hat allerdings ├╝ber die vergangenen Jahrhunderte zu vielen Problemen gef├╝hrt, mit denen wir uns jetzt immer wieder konfrontiert sehen.
Die Kirche der Boristi hat sich in eine Seite des Lichts und der Dunkelheit gespalten. Dies kam durch die Dezentralisierung der Kirche von St. Borist zustande, denn einjeder Gro├čmeister regiert ├╝ber seine Anh├Ąnger in den verschiedenen Stadtstaaten nach Gutd├╝nken, anstatt nach den Anweisungen einer zentralen Autorit├Ąt (da es eine solche nicht gibt), so wie dies noch vor vielen Jahrhunderten der Fall war, bevor die Gottlerner nach Ralios kamen. Dadurch haben sich die verschiedenen Auslegungen der Religion von St. Borist gebildet. Grunds├Ątzlich sind die Ziele dieselben, doch einige Anh├Ąnger unserer Kirche sind der Dunklen Seite der Erleuchtung verfallen und nutzen das Chaos f├╝r ihre Zwecke aus. Das schlimmste Beispiel hierf├╝r sind die Chaosm├Ânche, die Freude daran empfinden, das Chaos und Mutationen ├╝ber die Welt zu verbreiten, um so neue Anh├Ąnger in ihre Arme zu treiben.
Nat├╝rlich ist es unter allen Priestern der Boristi Gang und Gebe, sich eines Chaoswesens zu bedienen, um so die Energien, die durch die Zeremonie der Reinigung (siehe unten) aufgenommen werden, auf diese Wesen zu werfen. Au├čerdem wird es mittlerweile auch als durchaus statthaft angesehen, dieses oder andere erschaffene Chaosmonstren den Gl├Ąubigen als Opfer vorzuwerfen, um es durch diese vernichten zu lassen. Durch diese Zeremonie des Sieges von St. Borist ├╝ber das Chaos gewinnt man sehr gut Gl├Ąubige und es veranschaulicht einem jeden, welche vernichtende Kraft dem Glauben der Boristi innewohnt.
Der Glaube an die Kirche von St. Borist ist von vielen Dekanen, Kapl├Ąnen und Priestern eher zu einem Glauben f├╝r einzelne Individuen gemacht worden. Denn ein jeder Adliger strebt danach ohne S├╝nden vor seinen Sch├Âpfer treten zu k├Ânnen, um so den Trost Malkion zu erhalten. Durch die Zeremonie der Reinigung ist es m├Âglich, dass ein F├╝rst, Ritter oder K├Ânig ein Leben voll von S├╝nden f├╝hren kann und dass sein Hofpriester ihm diese durch die Zeremonie der Reinigung abnimmt. So gelingt es vielen Priestern der Boristi, Adlige unter ihren Machtbereich zu bekommen, um sie zu manipulieren und sich ihrer, ganz im Sinne von St. Borist, im Kampf gegen Gbaji und Arkat zu bedienen. Ich akzeptiere diese Handlungsweise und hei├če sie durchaus willkommen.
Eine gro├če Gefahr f├╝r den einzelnen Priester ist allerdings die Summierung dieser Vers├╝ndigungsenergien. Es ist in Borin schon oft vorgekommen, dass einer unserer Priester zuviel an diesen Energien in sich aufgenommen hat und dadurch selbst der Dunklen Seite der Erleuchtung verfiel, oder, schlimmer noch, selbst zu einem Chaosmonster wurde. Es ist und bleibt ein Spiel mit dem Feuer, den Kampf gegen Gbaji zu f├╝hren. Viele von diesen entarteten und mutierten `Wesen' leben noch heute in den Katakomben unter der Burg von Borin. Dies hat uns den Spitznamen 'Tintenfische' eingebracht.
Die anderen Religionen der Malkioni verachten euch wegen eures Umgangs mit dem Chaos, doch wissen sie nicht, dass gerade wir es sind, die die Welt vor der Bedrohung des Chaos sch├╝tzen. Wir haben in letzter Zeit von vielen Prophezeiungen geh├Ârt, die darauf hindeuten, dass Arkat/Gbaji wieder zur├╝ckkehren wird, um Ralios zu vernichten. Viele Religionen lieb├Ąugeln damit unter Gbaji, die Macht zu ergreifen. Wir werden das verhindern. Tot dem Arkat!!

Die Gilde der Chaosm├Ânche
von Peter Metcalfe

In den Augen der normalen Bev├Âlkerung von Ralios handelt es sich bei der Gilde der Chaosm├Ânche um eine Horde Verr├╝ckter, die Mord, Krankheit, Mutationen und Verderbnis zu Ehren ihres geheimen Gottes verbreiten. Es ist allgemein bekannt, dass sie in der Schreckenszeit auftauchten, die in Ralios nach den Chaoskriegen herrschte. Es hat sich seither als unm├Âglich erwiesen, diese Ketzerei auszurotten. Am st├Ąrksten ist die Gilde in Tikos vertreten, welches vor nicht all zu langer Zeit unter einem schrecklichen Aufstand dieser Irren zu leiden hatte. Alle rechtschaffenden Menschen f├╝rchten ein solches Gemetzel, das eine erneute Revolte mit sich bringen kann.
Die Wahrheit ├╝ber die Chaosm├Ânche ist indes noch viel beunruhigender. Die Chaosm├Ânche sind eine Splittergruppe der Kirche der Boristi. Sie glauben fest daran, wie auch ihre Br├╝der im Geiste, dass jemand nicht den `Trost Malkions' erfahren kann, solange er nicht vom Chaos gereinigt wurde, welches alles Existierende befleckt. Dementsprechend erreichen in der Sichtweise der Chaosm├Ânche alle `Ungereinigten' niemals den Trost und sie sind dazu verdammt, bis zu ihrem Tode in der materiellen Welt zu verbleiben.
Die Chaosm├Ânche wissen um die Geheimnisse des Martyriums. Dies ist eine geistige Disziplin, durch die jemand den `Trost' erhalten kann, ungeachtet der Tatsache, dass er vom Chaos befleckt ist. Das Martyrium ist eine ├Ąu├čerst beschwerliche Disziplin, die nur durch Jahre des Studiums und des Gebets erreicht werden kann. Die Gildenmitglieder, die diesen Status noch nicht erreicht haben, sind als Novizen bekannt. Sie unterstehen den M├Ânchen und m├╝ssen deren Befehlen gehorchen. Ein Novize darf niemals jemanden `reinigen', allerdings agieren sie als Agenten f├╝r die M├Ânche, welche sich nicht mehr unter der normalen Bev├Âlkerung bewegen k├Ânnen, ohne gleich als das, was sie sind, erkannt zu werden. Dies w├╝rde f├╝r jeden M├Ânch den sofortigen Tod als Ketzer bedeuten.
Die M├Ânche d├╝rfen die Zeremonie der Reinigung als Beichte vollziehen und sie tun dies auch so oft sie nur k├Ânnen. Sie reinigen nicht die Novizen, sondern meist unfreiwillige Opfer, welche ihnen durch die Novizen zugef├╝hrt werden. Diese unschuldigen Opfer werden durch die `Beichte' gereinigt und werden somit durch diesen Zauber frei von S├╝nden und Chaos. Danach t├Âtet man sie. Dadurch ist sichergestellt, dass sie nicht mehr durch das Chaos korrumpiert werden k├Ânnen und die Opfer sind sich so des Trostes Malkions sicher. Somit handeln die Chaosm├Ânche stets aus guten Motiven heraus.
Die Chaosm├Ânche nutzen dieses, sich auf diese Weise angeeignete Chaos, nicht um Monster zu erzeugen, sondern sie behalten es in sich, so dass dieses Chaos nicht mehr l├Ąnger dazu in der Lage ist, die Welt zu beschmutzen. Dieses Chaos wird dann durch den Tod des M├Ânches vollends vernichtet. Je mehr Seelen die M├Ânche allerdings retten, desto mehr mutieren dadurch auch die M├Ânche an Geist und K├Ârper. Die M├Ânche f├╝rchten dieses Ende nicht, denn sie sind M├Ąrtyrer und erreichen dadurch garantiert den `Trost Malkions'. Sie haben gut daran getan, das Chaos in der Welt zu reduzieren wenn sie sterben und diejenigen, welche noch ungereinigt sind, haben dadurch eine bessere Chance, den `Trost Malkions' zu erhalten.
Im Finalstadium ihres Lebens ist der geistige Zustand der M├Ânche meist so derma├čen verdreht und verworren, dass sie so manches Mal ihre urspr├╝nglichen Motive vergessen und dadurch h├Ąufig Schrecken und Zerst├Ârung unter denen verursachen, die sie eigentlich retten wollten. Da in diesem Fall trotzdem der M├Ânch und seine Opfer den `Trost' erlangen, wird diese Art Ausbruch von der Gilde nicht als Katastrophe angesehen. Sollte ein M├Ânch von den rechtschaffenden Autorit├Ąten aufgegriffen und exekutiert werden, so stirbt dieser stets mit einem `Siegesgebet' an den Unsichtbaren Gott mit dem was von seinen Lippen noch ├╝brig ist...


Dieser Artikel wurde entnommen aus ÔÇ×SchattenKlingeÔÇť Nr. 15 und ist © Copyright 1996, 2002 by Ingo Tschinke


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